Gemeinde Großweil
Gemeinde Großweil Das blaue Land

Großweiler Ortsgeschichte

Großweil ist eine kleine aufstrebende Gemeinde, die an der Loisach im oberbayerischen Alpenvorland liegt.
Die Struktur ist überwiegend ländlich und zur Zeit haben wir           Einwohner, die in den Ortsteilen Großweil, Kleinweil, Zell und in den Weilern Pölten, Stern, Gröben sowie im Freilichtmuseum an der Glentleiten wohnen.

Großweil gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Weilheim des Kurfürstentums Bayern. 1818 entstand im Zuge der Reformen im Königreich Bayern durch das Gemeindeedikt die heutige politische Gemeinde.
1972 wurde die ehemalige Gemeinde Kleinweil eingemeindet.

Die erste geschichtliche Erwähnung erfahren wir aus der Chronik des Mönches Gottschalk aus dem Benediktiner-Reichsstift Benediktbeuern, der um 1060 ein Güterverzeichnis entwirft, in dem er auch die Herkunft der dem Kloster eigenen Besitzungen nachweist.
So hatte die Abtei Güter „in villa Wila“ von den Brüdern Landfrid, Waltram und Eliland, den Gründeräbten des Klosters aus dem Haus der hochadeligen Housi, durch Schenkung erworben.

Doch Großweil dürfte viel älter sein.

Der Ortsname führt uns in eine ältere Geschichtsepoche. Der Name Weil stammt aus dem lateinischen Wort „Villa“, das Guts- oder Maierhof bedeutet.
Bis etwa 1350 war es der Ortsname Wile – Weil – Whyl. Bis zu diesem Zeitpunkt läßt sich nicht feststellen, ob damit Großweil oder Kleinweil gemeint ist.

Unter vielen verschiedenen Namen wurde Großweil erwähnt, ebenso die frühere Gemeinde Kleinweil, die im Mai 1976 bei der Gebietsreform in Großweil eingemeindet wurde:

Grossenweil   GroßenWeyhl
Wenich Weyl,  Clainwyhl,

Die „alte“ St. Georgskirche in Großweil, umgeben von einer hohen Mauer, hoch oben auf dem höchsten Platz, zeugt dafür.
Sigrid Braunfels-Esche befaßte sich in ihrem Buch „Sankt Georg“ ausführlich mit der historischen Überlieferung und der Ausbreitung im Abendland mit der Figur des Heiligen. Sie kam zu dem Entschluß, dass der Titelheilige stets an Orten auftritt, die an Römerstraßen liegen oder die selber Römersiedlungen waren.
Derzeit wird wegen der Römerstraße, die an Großweil vorbei führte noch weiter ermittelt..

Auch der Fund bei der letzten großen Renovierung der alten St. Georgskirche zeugt dafür, dass Großweil viel älter ist, denn die größte Kostbarkeit dürfte die, gefundene, Chorschranke sein. Sie weist auf die früheste Zeit von Großweil zurück.
In der Bajuwaren-Ausstellung zu Rosenheim wurde sie bereits ausgestellt, ein kleines Schild nannte die Entstehungszeit um 780 – in der Karolingerzeit um 800 – vor gut 1.200 Jahren!

Die Adeligen der früheren Zeit waren in Kleinweil und Großweil die Raspen und die Mayerhofer.
In Kleinweil saßen die Raspen. Ein altbayerisches Geschlecht.
Es muß wohl kurz nach 1400 gewesen sein, als Hans Rasp Besitz eines Teiles von Kleinweil und mit einem Hofe in Großweil nahm.
Eine Schlehdorfer Klosterurkunde vom 21. März 1467 besagt, daß Hans der Rasp, der Junge und Anna seine Ehefrau, gesessen zu wenigen weyl, ihr Gut in Hofheim und die dortige eigene Vogtey, die er vom Vater selig, Hans dem Raspen, geerbt hat und nun dem Kloster Schlehdorf verkauft.
Im Herdstättenverzeichnis der Stadt München vom Jahre 1456 wird Hans der Rasp in Kleinweil als „Moar“ bezeichnet, er ist sozusagen größter und reichster Bauer im Ort.

Die Raspen waren Ministeriale, im herzoglichen Dienst, Meichelbeck nennt sie auch Edle.
Sie waren nah vereint mit anderen edlen Geschlechtern wie den Mayerhofer und führten auch ein gemeinsames Wappen.

Schon seit frühester Zeit wurde neben der Landwirtschaft auch anderes Gewerbe betrieben:

Die Flößerei.
Pfarrer Martin Anton Gebhard, Pfarrer von Großweil, beschreibt 1803 die Situation an der Loisach:
„Großweil ist im Umkreis das volkreichste Dorf am Flüßchen Loysach, worauf täglicher lebhafter Handel und Wandel getrieben wird, der Sammelplatz von allen vorüberschiffenden, wegen dem hier zu entrichtenden Kanal-Zoll, der Mittelpunkt der sämtlichen Bewohner.“

Um den Kochelsee mit der Flößerei zu umgehen, wurde mit einer Bauzeit von nur 1 Jahr 1715 – 1716 der Triftkanal erbaut, der im April 1716 eingeweiht und eröffnet wurde.
Heute kann man entlang des Triftkanals mit dem Rad bis nach Benediktbeuern fahren und die Schönheiten des Loisach-Kocehlsee-Moores genießen.

Schleifsteinbruch
Seit etwa dem 16. Jahrhundert wurden hinter Kleinweil, westlich des Dorfes, an der sogenannten Steinbruchleiten, auch an der sich anschließenen Hagener Leiten, unmittelbar an der vorbei fließenden Loisach Schleifsteine gebrochen.
Die Arbeiten am Steinbruch fanden hauptsächlich im Herbst nach dem Einbringen der Ernte statt und war stets witterungsabhängig. Im Steinbruch wurde nur das Rohmaterial gewonnen, das dann zuhause meist im Stall oder in der Werkstatt weiter verarbeitet wurde.
In einem Bericht wurde vermerkt:
„Weiter östlich hinab führet der Weg nach Groß- und Kleinweil, welcher letzte Ort sich besonders durch den ausgebreiteten Handel mit Schleifsteinen im In- und Ausland merkwürdig gemacht hat.
So werden aus dem dortigen feinkörnigen, grauen mit Kalkmergel zusammengekitteten Sandstein vieles geformt.
Die Schleifsteinbrüche von Kleinweil und die Flößungen auf der Loisach bringen den Leuten gute Einkünfte.“

Marmorsteinbruch
An der Stelle des ehemaligen Marmorbruches erinnert die Baumgruppe mit einem Feldkreuz.

Nahe am Süd-Ostrand von Großweil liegt am Weg Großweil-Unterau ein verlassener Marmor-Steinbruch, dessen roter Knollenkalk, der übrigens auch hin und wieder graugrünliche Partien einschließt, in früheren Jahrhunderten besonders bei kirchlichen Bauten Verwendung fand.
Daß auch der Geologe eine wahre Fundgrube wissenschaftlicher Bereicherung zu finden vermag, davon geben manche Werke und Schriften namhafter Fachgelehrten Aufschluß.
Prof. Dr. Rothpletz führte mit Studenten 1886 eine Exkursion durch. Diese fanden auch Ammoniten und waren überrascht über die „rätselhaften Verhältnisse dieses gänzlich unmotiviert aus der Talebene aufragenden Marmorvorkommnisse.“
Oberstleutnant a.D. Heineck mit Frau bemühten sich 1938 viele Wochen mit Kreuzhacke und Schaufel den vom Humus bedeckten Abraumschutt des Marmorbruches nahezu in seinem ganzen Umfang wieder freigelegt zu haben.
Sie stellten fest: „Der Bruch hatte zwei unmittelbar aneinandergrenzende Abbaustellen auf einer Länge von insgesamt fast 100 m. Die Marmorbänke liegen nicht waagrecht, sondern fallen mit ca. 70 Grad nach S – SSO ein.
Die größte Mächtigkeit, zu der die Kalke bis jetzt abgebaut wurden, dürfte etwa 10 – 12 Meter betragen.
Der gleiche rote Knollenkalk steht im Süden in einer Entfernung von 23 km bei Mittenwald in der Karwendelmulde, auch im Südalpengebiet am Ostufer des Gardasees und südöstlich von Trient ist er zu finden.
In einigen Archivalien ist zu lesen, daß bereits im 15. und 16. Jahrhundert Marmor gebrochen wurde und später viele Steinmetzbauhandwerker in die Landeshauptstadt abwanderten (Dietsch).
Außer in den Klosterkirchen Benediktbeuern und Schlehdorf wurden auch in Polling und die Kirche in Peißenberg mit Großweiler Marmor geschmückt.
Großes Interesse und viele Wünsche hatte der jeweilige Churfürst in München für seine Paläste und Prachtbauten.
Infolge der leichten Verwitterbarkeit kommt der Marmor daher als Baustein nur für Innenzwecke in Betracht.
Über Jahrhunderte hinweg gab der Marmorsteinbruch den Einheimischen Arbeit und Brot.

Bergwerk
Schieferkohle-Bergbau von Großweil

1796 war schon das Kohlevorkommen in Großweil bekannt.
1865 begann man dem Tagebau in bescheidenem Umfang und förderte von da ab über 90 Jahre hindurch kontinuierlich Kohle, am Ende waren es insgesamt etwa 360 000 t.

Im Jahre 1872 beantragte der Privatmann Ignaz Schmid aus München die Konzession, in Großweil Kohle abbauen zu dürfen.
1876 wurde ihm das Bergwerkseigentum für das Braunkohlenfeld der Irenenzeche verliehen.
1891 erwarb die Firma Max Bullinger in München das Grubenfeld. Sie nutzte die Kohle als Heizmaterial in den Papierfabriken Pasing und Dachau. Als im Jahre 1898 die Eisenbahnstrecke von Penzberg nach Kochel fertiggestellt worden war, vergrößerte sich der Abbau rasch, da sich die Kohle jetzt auch über größere Entfernungen billig transportieren und verkaufen ließ.
1917 wurden die Grubenfelder an die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) verkauft. 1917 und 1918 errichtete die MAN, neben zahlreichen Gebäuden auf dem Zechengelände, auch eine 7,5 km lange Materialseilbahn von Großweil quer durch das Kocheler Moos nach Kochel sowie eine Verladehalle am Bahnhof in Kochel. Dadurch steigerte sich die tägliche Fördermenge von 40 t im Jahre 1918 auf 100 t im Jahr 1920.
Die Grube wurde 1921 von der MAN an die „Braunkohlen-Aktien-Gesellschaft Großweil“ verkauft. 1923 steigerte sich die tägliche Förderung auf 250 t, die Belegschaft wuchs auf über 280 Mann an.
Es gab zwei Grubenfelder, die Zechen Irene I und II. Weiter im Osten gewann man die weitgehend horizontal lagernde Schieferkohle im Tagebau, weiter im Westen, wo die Mächtigkeit der überlagernden Kiese größer war, im Untertagebau.

Der weitläufige Tagebau lag unmittelbar am Nordwestrand des Orts Großweil. Der Abbau unter Tage erfolgte ursprünglich durch Rückbau im sogn. Pfeilerbruchbau, d.h. man räumte die Kohle nicht vollständig aus, sondern ließ Stützpfeiler stehen. In der letzten Betriebsperiode beschränkte sich der Bergbau auf das Ausräumen der bis dahin stehengebliebenen Pfeiler. Bei diesem „Zu-Bruch-Bauen“ nahm man in Kauf, dass das „Hangende“, also das darüberliegende Material, komplett herunterbrach, wenn man schließlich auch die zur Sicherung eingebauten Stahlstützen herausnahm. Das führte an der Erdoberfläche natürlich zu massiven Bergschäden. Die Kohle wurde aus dem Hauptstollen mit einer dieselgetriebenen Grubenbahn zur Materialseilbahn gefahren, mit der sie dann zum Kocheler Bahnhof gelangte. Im Jahre 1939 erwarb der Berliner Kaufmann Rolf Küch das Grubenfeld. In den 50er Jahren gingen Belegschaft und Fördermengen stark zurück.-

In den letzten drei Jahren wurden mit nur noch zwei Beschäftigten kaum mehr als 5 t am Tag gefördert. 1962 stellte man den Abbau schließlich wegen Erschöpfung des Vorkommens endgültig ein.

Was ist heute noch vom Bergbau in Großweil zu sehen? Der ursprünglich am Nordrand des Ortes gelegene Tagebau ist immer noch als eine breite Depression innerhalb bebauten Geländes zu erkennen. Außerdem ist einer von ursprünglich zwei Schutzbögen der 1938 abgebrochenen Materialseilbahn erhalten geblieben, der die Passanten auf der Alten Murnauer Straße vor herunterfallenden Kohlbrocken schützen sollte. Auf ihm sind gekreuzte Hämmer (Schlegel und Eisen) und die Inschrift „Großweil 1796 bis 1962“ angebracht.

Nach dem Gewerbe der frühen und früheren Jahre besitzt heute Großweil am östlichen Ortsrand ein kleines Gewerbegebiet.